Klettersteig - Iseler

Das Gegenteil von Alleinsein

Dieser Klettersteig steht schon so lange auf meiner bucket list, dass er dort noch als Salewa-Klettersteig verzeichnet ist. Irgendwann wurde jetzt scheinbar der Hersteller bzw. die Marke gewechselt. Irgendwie war jetzt trotzdem der richtige Zeitpunkt gekommen und das, obwohl ich Klettersteige überhaupt nicht mehr mag.

Kaum jemand würde von Schattwald auf den Klettersteig zum Iseler starten. Dementsprechend groß ist die Verwunderung, als ich eine junge Bergsteigerin darauf anspreche, ob ich noch auf dem richtigen Weg zum Iseler bin. "Schattwald hat ein Tankstelle, günstige Parkplätze und ist nicht so überlaufen." Bis zur Oberen Stuibenalpe gehen wir noch gemeinsam, dann biegt sie zu B'schießer und Ponten ab (die Tour muss ich mir merken).

Ich setze den Weg zum Iseler fort und treffe knapp unter dem Gipfel auf den Weg, der von Oberjoch bzw. von der Bergstation der Bergbahn heraufführt.

geografische Einordnung:


erreichte Gipfel:

weitere Wegepunkte:

Talort(e):


Schwierigkeiten:

Höhendifferenz Aufstieg/Abstieg:

Distanz:


Zeitbedarf inkl. Pausen:

Allgäuer Alpen


Iseler 1.876 m, Kühgundkopf 1.907 m, Kühgundspitze 1.890 m

Obere Stuibenalpe

Schattwald


Wandern: T2          Klettern UIAA: -/-            Klettersteig: B/C           Schneeschuhe: -/-

1025 m / 1025 m

13,6 km


06h24m

Die Besucherfrequenz nimmt bereits jetzt deutlich zu. Zum Einstieg in den KS muss ich noch ein wenig absteigen. Den Einstieg muss man nicht lange suchen. Dort stehen sie schon und hantieren mit ihren Gurten, Helmen und Klettersteigsets.

Ich zwänge mich in eine größere Lücke, damit ich selbst nicht jemanden so dicht vor oder direkt hinter mir habe. Der Plan überdauert jedoch nur die Einstiegsrampe, die im Abstieg zu bewältigen ist. Als mit einer B/C-Stelle die erste größere Prüfung erreicht wird, stehen wir alle im Stau. Man kann den Routenverlauf ab jetzt sehr gut entlang der vielen bunten Steinschlaghelme gut erkennen.

Die erste B/C-Stelle ist auch für mich eine kleine Prüfung und Mahnung zugleich. Nicht die technische Schwierigkeit beansprucht mich, aber ich sollte sorgsam darauf achten, wo ich meine Sohlen platziere. Der gesamte Klettersteig ist glatt und abgeputzt wie der gepflegte Marmorboden am Eingang zur Staatskanzlei. Mein Hauptziel ohne blaue Flecken von der Klettersteigtour zurückzukehren, habe ich bereits verfehlt.

Wenn man auf einem Klettersteig dumm herumsteht, dann kann man sich das auch mal genauer anschauen. Dieser Klettersteig erscheint so, als hätte man ihn dem Berg und der Landschaft aufgezwungen. Die Bergflanke unter dem Iseler besteht nicht aus kompaktem Fels, sondern ist schrofig, erdig und z.T. recht lose. Ohne den Klettersteig würde man hier bestimmt keine Kletterer finden. Nein, hier wollten die Menschen unbedingt einen Klettersteig, wo es nicht einmal einen Klettersteig braucht.

Plötzlich hallt es "Stein" durch die Wand. Ein etwa ziegelsteingroßer Brocken streift mich sogar am Oberschenkel. Und meine einzige Sorge gilt mir Depp nur dem Fotoapparat. Das war der zweite blaue Fleck.

Das rechte Bein ist noch frei von blauen Flecken. Dem helfe ich in der Schlüsselstelle des Klettersteigs jedoch schnell ab. In der sog. Bergführerplatte stoße ich mit der Vorderseite des gebeugten Knies direkt vor einen Stahlstift. Gut, jetzt kann man dann auch bald auf den Gipfel aussteigen.


Auf dem Iseler bin ich völlig falsch. Hier geht es zu, wie auf dem Stachus. An eine gemütliche Pause ist gar nicht zu denken. Ich steige über den Klettersteig gleich wieder einige Meter ab, mit dem zweiten Teil fortzusetzen. Dieser zweite Abschnitt, der absteigend zum Westgrat des Iselers führt, weist kompakteren Fels auf. Allerdings ist der Fels von den zahlreichen Begeher*innen völlig glatt geschliffen. Zudem ist der Abstand zwischen den Tritten unten und dem Stahlseil oben oft recht groß. Die Stränge des Klettersteigsets sind oft straff gespannt. Mit einer Körpergröße unter 170 cm wird es auf diesem zweiten Klettersteigabschnitt vermutlich entweder sehr schwierig oder sehr akrobatisch. Ohne Armkraft geht hier gar nichts.


Alles ist irgendwann einmal vorbei, auch ein Klettersteig. Recht unspektakulär jedoch unter vielen Menschen geht es weiter zu Kühgundkopf und Kühgundspitze.  Der Blick reicht weit an diesem freundlichen Herbsttag. Die Berg in der Nähe und am Horizont sind mir bereits so vertraut, dass meine innere Stimme, wie in den letzten Tagen so oft, zum Lied ansetzt: "I need a change ...". Was bedeutet es, wenn da keine Wehmut ist?

Zing • 20. September 2026