Eine neue alte Fujifilm X-E1
Weniger ist manchmal mehr!
Das JPEG-Rezept des Monats Juli ist ausgefallen. Zum einen haben die Arbeiten an der zinglogs-Sonderausgabe über JPEG-Rezepte begonnen und zum anderen wurde eine neue alte Kamera in meine Sammlung aufgenommen. Außerdem haben wir so einen heißen, gelblichen Sommer, der wenig Lust aufs Fotografieren macht. Also, kein JPEG-Rezept, aber über die X-E1 gibt es einiges zu berichten.
Warum eine weitere Kamera?
Ich muss mich nicht rechtfertigen. Für den Fall einer zukünftigen, möglichen "internen Untersuchung" möchte ich dennoch eine stichhaltige Begründung liefern können:
Meine treue X-E3 kommt als EDC- und Bergkamera langsam an ihre Grenzen. Vorderes und hinteres Einstellrad funktionieren nicht mehr zuverlässig. Manchmal hakt der Auslöser. Neulich hat die X-E3 sogar spontan alle JPEG-Rezepte, Datum, Zeit und Sprache vergessen. Der totale Reset! Die X-E3 wird also zu einem Fall für die Vitrine und ein adäquater Ersatz wird benötigt.
Meine sämtlichen Kameras aus der Fujifilm-X-Serie verfügen entweder über einen X-Trans-III- oder einen X-Trans-IV-Sensor. Man sagt den den 16 Megapixel Modellen der ersten beiden X-Trans-Sensorgenerationen geradezu magische Bildeigenschaften zu. Da ist von filmic look und most analog feel die Rede. Während sich gleiche Filmsimulationen bei den X-Trans-Sensoren II-V meist gleichen, sollen Filmsimulationen als Basis für JPEG-Rezepte bei der ersten Sensorgeneration leicht abweichend implementiert sein. Für die Sonderausgabe der zinglogs ist das ein interessanter Untersuchungsgegenstand.
Es geht auch um Effizienz und Speicherplatz. Es wäre einfach, die X-E3 durch ein neueres Modell (X-E4) oder das allerneueste Model (X-E5) zu ersetzen. Beide sind schön klein jedoch auch sehr teuer. Und wenn es teuer ist, dann nimmt man es bestimmt nicht leichtfüßig auf eine 'ruppige' Bergtour mit. Die X-E5 hätte sogar IBIS aber auch 40 Megapixel. Nicht alle meiner vorhanden Objektive würden daran funktionieren. Selbst JPEG-Dateien einer solchen Kamera sind riesig.
Die alte X-E3 durch eine andere X-E3 zu ersetzen wäre auch möglich. Allerdings gibt es kaum gut erhaltene X-E3, die zum Verkauf angeboten werden. Die meisten Gebrauchtmodelle sehen noch ranziger aus als mein Exemplar.
Ach ja, für die X-E3 gibt es nicht länger einen Reparaturservice durch Fujifilm. Sonst hätte meine bella machina schon längst zur Kur nach Neuss geschickt.
Warum gerade die Fujifilm X-E1?
Es existieren nicht viele Optionen, wenn man eine Fujifilm-Kamera mit X-Trans-I-Sensor möchte. Der X-M1 fehlt der EVF. Die X-Pro1 ist als EDC-Camera bereits zu groß. Also bleibt nur die X-E1 übrig.
Eine X-E2 oder X-E2S wären weitere mögliche Optionen, dann aber mit X-Trans-II-Sensor. In der Welt der X-Trans-II-Sensoren ist dann jedoch eine X-T1 viel erstrebenswerter!
16 Megapixel sind für eine "Knipskamera" genug, zumal ich die meisten Bilder für die Betrachtung am Monitor später auf 4 MP skaliere.
Bleibt noch die Frage zu klären, ob und welches Objektiv ich benötige. In einem Anflug von GAS erwäge ich kurz die zusätzliche Anschaffung eines gebrauchten XF 27mm der ersten Generation oder TTArtisans Äquivalent, beide mit einer Offenblende von f/2,8. Wie immer komme ich dann doch zu dem Schluss, dass diese beiden Objektive zwar zu einer kompakten EDC-Camera führen, mir dafür jedoch zu vile Kompromisse abverlangen. Im Gebirge braucht man mehr Weitwinkel. Im nächtlichen Alltag genügt die Anfangslichtstärke nicht. Entweder ist der AF-Motor zu laut oder das Verhalten bei direktem Gegenlicht unterirdisch. Das vorhandene XF 18-55 oder die beiden vorhanden 2.0er-Festbrennweiten (23mm, 35mm) müssen genügen. Und das neuere, wetterfeste XF 27 mit Blendenring? Tja, das wäre teurer als das gebrauchte X-E1-Gehäuse...
Die X-E1 ist genau die richtige Wahl als Alltags- und Bergkamera. Die ersten Bildergebnisse - die halte ich vorerst noch unter Verschluss - sind mehr als vielversprechend. Ich beginne den Hype um die X-Trans-I-Sensoren zu verstehen. Die Bedienung ist kinderleicht, wenn man aus dem Fuji-Universum kommt. Die Bedienungsanleitung habe ich nicht benötigt. Erste Filmsimulationen sind bereits gespeichert. Eigentlich muss jetzt nur noch das Wetter etwas kühler werden, damit die erste Bergtour mit der X-E1 beginnen kann.
Nachteile und Workarounds
Die X-E1 stammt aus dem Jahr 2012, ist also heute bereits 14 Jahre alt. Klar, das nicht alles ganz so geschmeidig abläuft.
Die Einschaltdauer ist mit ~1 s auffällig. Das erfordert aufmerksamere Voraus-schau.
Die Classic Chrome Filmsimulation fehlt. Damit ist ein direktes JPEG-Rezept "Kodak Portra" nicht möglich. Es gibt zwar einen Versuch, der benötigt meiner Erkenntnis nach jedoch etwas Nachbearbeitung in Capture One (Tonwerte:M+0,07; Farbe:gelb:-12,0,0; Farbe:grün:-10,0,0; Farbe:blau:-4,0,+10).
Die X-Trans I&II Modelle verfügen nicht über grain. Die Einstellung grain:weak der X-E3 lässt sich in Capture One reproduzieren (Weiches Korn: 50, 70).
Zu den Customer Recipes (C1-7) lassen sich keine Namen vergeben. Zudem wird die WB-Korrektur nicht gespeichert. Letzteres kann über einen Spickzettel realisiert werden (siehe Bild rechts).
Die X-E1 bietet nur Kontrast-AF. Gut, das gilt auch für die GFX50SII. Der AF der Fujifilm X-E1 ist spürbar langsam und bei wenig Licht unpräzise.
Auch die ACROS-Filmsimulation fehlt der X-E1. Damit bleibt nur Monchrome+Y,R,G für Schwarzweiß-Fotografie übrig. Schwarzweiß ist jedoch etwas, dass die Nikon Z5 ausnahmsweise besser kann als jede Fujifilm-Kamera.
Es bleibt nur ein einziger Nachteil übrig, für den ich leider keinen Workaround finde. EVF und LCD liefern eine korrekte Belichtungsvorschau. Die Vorschau des Weißabgleichs ist unzureichend, die der Dynamic-Range-Einstellung fehlt. Eine Überbelichtungswarnung gibt es nicht. Sucher und Bildschirm liefern also in keiner Weise das gewohnte WYSIWYG-Gefühl meiner übrigen Fujifilm-Kameras. Entweder brauche ich also Glück, die richtige Interpretation des Histogramms oder die regelmäßige Bildkontrolle nach der Aufnahme. Letzteres steigert den Stromverbrauch. Glück habe ich selten. Also wird es auf die richtige Interpretation des Histogramms hinauslaufen: ETTR und dann +1EV bei DR 200% bzw. +2EV bei DR 400%.
Trotz all der kleinen Nachteile habe ich viel Freude an der X-E1. Uns stehen spannende Zeiten bevor...



