Jupiterbeobachtung

Balkon-Seeing, Warten und der Große Rote Fleck

Am vergangenen Mittwoch war ich schon ein wenig enttäuscht, den GRF verpasst zu haben bzw. nicht darauf warten zu können. Heute aber könnte es durchaus gelingen. Die Nacht soll klar werden bei moderaten Temperaturen. Laut Cartes Du Ciel müsste der GRF gegen 20:15 Uhr am rechten Rand (Zenitprisma) auftauchen.

Objektiv(e), Teleskop(e):

Okulare (Vergrößerung):

Montierung:


Zeit:


sky quality:

Skywatcher MAK 127/1500mm

TV Panoptic 24mm (62-fach), TVs DeLite 18,2mm (82-fach), 13mm (115-fach), 9mm (167-fach)

Skwatcher EQM-35-Pro


27.02.26, 18:35 - 21:30 MET


Bortle -/-               -/- vis. Grenzgröße                  <2" seeing

Sirius: Ich beginne in der ausgehenden nautischen Dämmerung hier. Das Seeing ist erstaunlich gut, denn die Beugungsringe stehen heute im 'Stillgestanden'. Selbst das Fokussieren fällt heute viel leichter.


OS M41: Bei geringer Vergrößerung zeigen sich wenige, jedoch nadelfeine Sterne. Ohne den Mond wären das heute ideale Bedingungen für diesen horizontnahen Sternhaufen.


GN M42, Orionnebel: Wenn man schon mal hier ist, kann man auch dort vorbeischauen. Das Trapez spriongt mich bei 62-facher Vergrößerung direkt an. Ruhig, ja geradezu stoisch, leuchten die vier Stern aus dem Zentrum des umgebenden Nebels heraus. Der Nebel selbst ist kaum beeindruckend, was natürlich an Mond und der noch nicht abgeschlossenen Dämmerung liegt. Heute wird das nichts mehr.


Mond:  Im wahrsten Sinne des Wortes bereitet der zu einem Anteil von 84% beleuchtete Mond mir Kopfschmerzen. Ein Fünfzöller sammelt doch schon viel Licht. Heute muss ich ein ND-Filter und ein Gelbfilter einsetzen, damit die Beobachtung schmerzfrei stattfinden kann. Krater Tycho stiehlt allen anderen die Show. Die terrassenartigen Hänge seines Ringwalls können bei 167-fach eindrucksvoll aufgelöst werden. Das Zentralgebirge dieses Kraters zeigt eine zerklüftete Struktur. Ist das etwa ein Doppelgipfel? Heute wäre jedenfalls die Nacht für den Einsatz einer Planetenkamera gewesen...


Jupiter: Viertel nach acht. Zum mit Cartes Du Ciel vereinbarten Zeitpunkt schaue ich bei Jupiter vorbei. Der Schiebt sich bereits über den Meridian, was bedeutet, dass ich vielleicht noch eine Stunde Zeit habe, bevor er aus dem Blickfeld meiner Balkonsternwarte hinter der Dachkante verschwindet. Selbst bei höchster Vergrößerung (167) steht der Planet ruhig im Bildfeld des Okulars, eingerahmt von je zwei Galileischen Monden auf jeder Seite der Planetenscheibe. Die Wolkenbänder geben Details preis. Nur den GRF kann ich noch nicht erkennen. Dort ist nichts, nichts Rotes und schon gar keine ovale Struktur, nur das SEB.

Im Abstand von jeweils 5 Minuten schaue ich immer wieder hin. Einen GRF finde ich nicht nicht.

Endlich, gegen 21:15 Uhr erkenne ich eine scheinbare Unterbrechung des SEB und darunter den GRF. Allerdings wabert das Planetenbild nun im Sichtfeld des Okulars herum. Eine geringere Vergrößerung (115) hilft an dieser Stelle. Dennoch frage ich mich, warum sich in dieser ruhigen Nacht das Seeing plötzlich so deutlich verschlechtert, und gerade dann, wo es spannend wird.

Die Auflösung dieses Rätsels lässt nicht lange auf sich warten. Um 21:25 Uhr erkenne ich die Häuserwand am linken Okularrand. Bei dem von mir beobachteten Seeing handelt es sich um das sog. Balkon-Seeing. Das Gebäude strahlt Wärme in den Weltraum ab und erwärmt so die Luft in der direkten Umgebung. Das Seeing wird durch die konvektive Luftströmung negativ beeinflusst.

Aber immerhin habe ich den GRF mit dem Fünfzöller MAK eindeutig erkannt.


Sicherlich hätte ich mit dem Achtzöller SC noch mehr Details erkenn können. Allerdings dauert dessen Aufbau locker 30 Minuten, auf dem Balkon! An die Aufstellung im Garten mag ich gar nicht denken.

Den 5"er kann ich hingegen samt Stativ und Montierung mit einem Schwung aufstellen und ebenso schnell abbauen. Für die schnelle Planetenbeobachtung vom Balkon kann ich mir kein besseres Fernrohr vorstellen. Jetzt muss ich wirklich über die Anschaffung einer dedizierten Planetenkamera nachdenken...

Zing • 27. Februar 2026