Rügen - Kreide- & Regenzeit

Weiße Flecken auf der Landkarte

Der Wetterbericht sagt für den Nachmittag den Weltuntergang mit schweren Gewittern an. Schon am Vormittag kann es zu ersten Schauern kommen. Also müssen heute kleinere Brötchen gebacken werden. Mir fällt ein Prospekt der Gemeinde Lohme in die Hand: Über den Jasmunder Höhenrücken in das Gebiet der Kreidebrüche.

Auch heute geht es wieder direkt ab dem Hotel per pedes los. Autofreier Sonntag! Der Schlenker über den Naturcampingplatz kommt mir gerade recht. Die haben hier eine besonders schöne Aussicht auf die Ostsee. Dieser Promenadenweg lässt sich südlich von Nipmerow fortsetzen, um dann an einer Kreuzung einzumünden, die auf den tatsächlichen Prospektwanderweg einzumünden.

Ein Radfahrer steht ratlos (nicht radlos) an der Kreuzung und hält eine Landkarte abwechselnd in alle vier Himmelsrichtungen.

geografische Einordnung:


erreichte Gipfel:

weitere Wegepunkte:

Talort(e):


Schwierigkeiten:

Höhendifferenz Aufstieg/Abstieg:

Distanz:


Zeitbedarf inkl. Pausen:

Rügen - Jasmund


Kikberg 131 m

Nipmerow, Moorsiedlung, Opferstein von Quoltiz, Gummanz, Forsthaus Jägerhof

Hagen


Wandern: T1      Klettern UIAA: -/-         Klettersteig: -/-         Schneeschuhe: -/-

216 m / 216 m

13,1 km


03h36m

"Sie kennen sich hier doch bestimmt aus", werde ich sogleich angesprochen. "Moin", denn so viel Zeit muss doch auch bei der Begegnung von Fremden immer noch bleiben, oder? Die Karte ist schnell eingenordet und damit auch die Frage nach dem weiteren Verlauf des Ostseeradweges (?) hinreichend beantwortet. Wir haben den gleichen Weg. Dann wünscht er mir noch viel Jagdglück und radelt von dannen. Für was hat der jetzt den Fotoapparat gehalten? Und überhaupt, warum sehe ich immer so aus, als würde ich mich überall auskennen? Ich bin doch nicht der Garmin!

Es liegt ein undefinierbarer Gestank in der Luft, den mir der Wind aus West direkt ins Gesicht bläst. Die Luft wird erst nach dem Passieren der Moorsiedlung besser. Welches marode Rohr da wohl geplatzt ist?

Die erste Hälfte der Wanderung ist sehr betonlastig. Die zweispurige postsozialistische Sparstraße ist keine Entspannung für die Wanderschuhe. Beim scharfen Linksabbiegen südlich von Nardevitz könnte sich das ja ändern, tut es aber nicht. Erst auf Höhe des Tischower Bachs ändert sich das, als ich in einen Feldweg einbiegen kann.

In der Folge gelangt man zum Opferstein von Quoltiz, einem wahrhaft mystischen Ort. Man spürt direkt die elf tanzenden und nackten Jungfrauen, die um das Opferlamm auf dem Stein tanzen und dazu frisches Blut trin ... o.k., genug der Mystik. Der Ort ist angenehm. Unter dem Blätterdach finde ich Schutz vor dem gerade durchziehenden Schauer und auf dem Stein kann man auch gut sitzen, wären da nur nicht die aggressiven Mücken. Was ist schlimmer, nass oder zerstochen zu werden? Ich empfinde den Regenschauer als das kleinere Übel und setze meinen Weg zum Kreidemuseum bei Gummanz fort.


Was haben die bloß mit ihrer Kreide? Gut, es geht hier nicht um Schulkreide, sondern vielmehr um Calcit bzw. Calciumcarbonat. Rügen ist eines der Hauptabbaugebiete von Kreide in Deutschland. Seit man nicht mehr an der Steilküste gräbt, wurden die Abbaugebiete ins Innere der Insel verlagert, und Rügen ist groß! CaCO3 findet übrigens bei der Herstellung von Dünger und Baustoffen sowie in der pharmazeutischen Produktion seine Anwendung. Nach so viel Kreide benötige ich erst mal einen Überblick ...


Der Kikberg ist bestens dafür geeignet. Auf dem Kikberg kannste "kieken". Der Blick reicht über den Großen Jasmunder Bodden und die Halbinsel Wittow bis zum Kap Arkona. Ob man von hier aus bei klarem Wetter auch die Insel Møn sehen könnte?


Nach dem Berg folgt der Abstieg und der Weg durch einen, wie könnte es anders sein, Buchenwald. Man erreicht das ehemals fürstliche Forsthaus Jägerhof mit seinem Mammutbaum. Ein grenzt an ein Wunder, dass diese eingeschleppte, imperialistische Sequoia nicht irgendwelchen sozialistischen Flurbereinigungskampagnen zum Opfer gefallen ist.


Hagen erreiche ich wieder und nur fünf Minuten später öffnen sich die Schleusen des Himmels. In dem Guss möchtest Du nicht laufen. Fragt sich nur, wie ich heute noch zu meinen Fischbrötchen gelange, ohne dabei nass zu werden. Eine abendliche Wolkenlücke erlaubt die Fahrt zum Kutter 14 in Sassnitz ...


Zing • 7. Juni 2026