Analoger Herbst - Cinestill 800T

Much ado about nothing!

Analog läuft es nicht so gut für mich. Noch schiebe ich das auf das vorwiegend graue Wetter, das uns der Herbst 25 beschert. Vielleicht muss ich einfach die Tageszeit wechseln. Wie wäre es mit Nachtaufnahmen? Ich kann mich noch gut an meine erste Rolle CINESTILL 800T erinnern. Damals kamen damit ein paar achtbare Ergebnisse zustande. Ob sich daran anschließen lässt?

Kamera:

Objektiv(e):


Filmsimulation:

Film:


sonstige Ausrüstung:

MINOLTA XD7

MINOLTA MD 50mm/1.4


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CINESTILL 800T


Stativ

Über eine Woche werde ich den CINESTILL 800T mit mir herumtragen, bevor ich das erste Mal auf den Auslöser drücke. Wenn einem die Stadt nichts Neues zu bieten hat, sollte man vielleicht die Stadt wechseln? "Du kannst die Stadt behalten, die Katze gehört mir!"

Wie dem auch sei, entstehen lustlose Fotos eines Stillebens mit Bergschuh und Color Checker. Später werden mir diese Eichaufnahmen bei Lampenlicht jedoch wenig helfen. Jedes Bild werde ich einzeln hinsichtlich des Weißabgleichs abstimmen müssen. Digital wäre das alles viel einfacher gewesen.

Auch das Labor enttäuscht mich dieses Mal. Die Filme sind fleckig und weisen Chemierückstände auf. Ich muss mit destilliertem Wasser nachspülen.

Planlos fotografiert


Die ersten Aufnahmen entstehen wieder einmal beim Warten auf die S-Bahn. Allerdings habe ich da noch kein Stativ dabei. Alles langsamer als 1/30 s wird daher verwackelt.


Auch die Kletterhalle liefert keine rechte Inspiration. Die Griffe taugen nicht als Farbtesttafel.


Im Vorgarten der Nachbarn versammeln sich die Leuchtfiguren von Schnee- und Weihnachtsmann zur Lichterparty im Vorgarten. Wesentliche Erkenntnis: Bei verschiedenen Lichtquellen mit unterschiedlicher Farbtemperatur wird die Nachbearbeitung richtig anstrengend.

entvölkerte Industriegebiete


Vom Bus aus konnte man so schön auf den McDonald's schauen. Er lag dort umgeben von Dunkelheit unter mir. Das wäre ein Motiv!  Das Industriegebiet ist in 30 Minuten mit dem Bus erreichbar...

Leider erreicht man den "Aussichtspunkt" auf den McDonald's als Fußgänger nicht. Wir leben schließlich in einem Autofahrerland! Der IHLE Diner und die gegenüberliegende Tankstelle müssen als Ausweichmotive herhalten.

Zum Glück brennt im IHLE noch Licht, weil die letzten lästigen Gäste den rechtzeitigen Feierabend der Besatzung stark verzögen. Das ist meine Gelegenheit.

Eine riesige Tankstelle und nur ganz wenige, sichtbare Menschen, wenn überhaupt. Genau so hätte es Edward Hopper vielleicht gemalt. Ich kann es  heute fotografieren. Bei der späteren Bildbearbeitung ergeben sich zwei Zielfarbräume: Der eine ist cyan-lastig und kühl, der andere kaltweiß und steril. Der Unterschied entsteht bereits beim Weißabgleich und kann durch Einstellung der Farbbalance später noch verstärkt werden.

Warten auf den Bus im Nebel


Im IHLE haben sie gerade das Licht gelöscht. Der Bus kommt erst in 45 Minuten. Der Nebel schleicht durch die verlassenen Industriehallen und taucht die Szene in diffuse Dunkelheit. Mit dem Stativ versuche ich die nun langen Belichtungszeiten zu beherrschen.

Der Belichtungsmesser irrt im Nebel. Eine Überbelichtung um zwei stops hätte das Korn in den Schatten besänftigen können. Digital wäre mir das nicht passiert, und schon gar nicht mit einer DSLM. Ich freue mich zum ersten Mal wieder auf die Digitalkameras. Und eine Aufgabe für die Digitalkameras habe ich auch schon gefunden.


Wie an einer Perlschnur aufgereiht, rollen Kleintransporter mit z.T. überhöhter Geschwindigkeit auf eine einzelne Halle zu. Sofort nach dem Passieren der Einfahrt werden die Warnblinker eingeschaltet, und dann die Halle zum Zweck der Vereinzelung umfahren. Später stellen sich die Kleintransporter ordentlich an, während ihre Warnblinker weiterhin ein kakophotisches Konzert der tausend Lichter abliefern. Männer mit Leuchtstäben dirigieren die Transporter zum Be- und Entladen und erteilen letztendlich auch wieder die Starterlaubnis. Eine Szene wie auf einem Flugzeugträger...

Digital wird alles wieder besser!

Zing • 20. Dezember 2025