Analoger Herbst - Abschluss mit Pro Image
Noch vier Filme bis zum endgültigen Ende meiner Filmfotografie
Einen letzten Film habe ich noch, bevor ich endlich den Analogen Herbst abschließen darf. Die 36er Patrone ist ausschließlich für die Jahresabschlussbergtour 25 reserviert. Jenseits des Nebels wartet schon die Sonne auf mich. Was könnte also schon schiefgehen?
Ich habe den Pro Image mal mit den höchsten Tönen gelobt. Er sei eine Emulsion für sonnige Tage. Und nun? Ich bin ratlos. Die Farben sind flau und der Tonwertumfang des Films doch sehr begrenzt. Was war geschehen?
In der Morgendämmerung
Drei Bilder entstehen noch vor Sonnenaufgang. Da gibt es weiße Flecken, die für einen Weißabgleich geeignet wären. Klickt man die weißen Stellen jedoch an, dann kippt das gesamte Bild. Der manuelle Weißabgleich führt letztendlich zu stark voneinander abweichenden Ergebnissen.
An der Digitalfotografie mag ich, dass die Ergebnisse im wahrsten Sinne des Wortes vorhersehbar sind.
Gemischtes Licht und hohe Dynamik
Es ist kompliziert. Motive mit großem Helligkeitskontrast sind schwierig zu trimmen. Naturgemäß überbelichtete Lichter sind schwierig wiederherzustellen. Mehr als zwei Blenden Überbelichtung verträgt der Pro Image nicht. Jenseits davon muss man hart arbeiten, um brauchbare Kontraste herzustellen. Von den drei Aufnahmen dieser Art konnte ich letztendlich nur eine retten (white balance impossible), zwei waren völlig für die Tonne.
Immer dann, wenn Sonne und Schatten auf dem Pro Image 100 zusammentreffen funktioniert der automatische Weißabgleich nicht. Dann kann man sich über Schneereste freuen, ohne die ein Weißabgleich unmöglich wäre. Was tun in schneearmen Sommern?
Mehr als 10 EV Tonwertumfang liefert der Pro Image 100 auch nicht ab. Darin ist er dem Kodak Gold 200 sehr ähnlich. Pauschales Überbelichten wird dann mit flauen Farben und fehlendem Kontrast bestraft.
Sonnenlicht macht es auch nicht besser
Es lässt sich kaum leugnen, dass ich die warmen KODAK-Farben liebe. Ich bin damit als Fotograf aufgewachsen, angefangen vom KODACHROME 64 über den ELITECHROM bis hin zu den PORTRA 160/400/800. Nach vierzig Jahren KODAK ist der leichte Gelbstich zum festen Bestandteil meiner visuellen Wahrnehmung geworden. Der KODAK Pro Image 100 passt jedoch nicht in diese Bild. Schatten und Lichter muss ich getrennt voneinander trimmen, wo sonst ein leichter Dreh am Weißabgleichregler genügt hat. Grün wird entweder zu Blau oder Schmutzgelb. Pastelltöne kennt diese Emulsion auch nicht. Die dysphotische Farbwiedergabe lässt einen schönen Bergtag wie einen großen Fehler aussehen. Ich bin froh, dass der Analoge Herbst endet!
Resümee zum Analogen Herbst
Nach der sehr produktiven Bornholm-Reise (1.800 Fotos), wollte ich durch die analoge Fotografie entschleunigen. Letztendlich ist genau das Gegenteil eingetreten.
Man fotografiert analog weniger. Film ist teuer und wertvoll. Der Druck auf den Auslöser will wohlüberlegt sein. Doch dann muss man einen Film mit 36 Bildern vollbekommen. Man muss den Film zum Labor tragen und den entwickelten Film vom Labor abholen. Mit dem Scannen kann man Stunden verbringen. Negative müssen dazu von Staub befreit werden oder im schlimmsten Fall erneut gespült werden, wenn das Labor einmal geschlampt hat. Die Nachbearbeitung am Computer ist zeitintensiv. Für 36 Aufnahmen benötige ich drei bis vier Stunden!
Tatsächlich beschäftigt man sich als Analogfotograf nicht weniger mit Fotografie, sondern nur weniger mit dem Fotografieren. Von Entschleunigung keine Spur. Es überwiegt der Frust über wenig kreative Laborzeit.
Analoges Fotografieren ist teuer, sehr teuer. Ohne irgendwelche Sonderangebote kostet eine Patrone Farbnegativfilm mit 36 Aufnahmen heute mehr als 10,- EURO. Die Entwicklung im Fachlabor schlägt mit weiteren 6,- EURO zu Buche. Bald werden mit Eintaschen sogar 7,- EURO fällig.
Zwischenzeitlich hatte ich sogar darüber nachgedacht, meine Filme selbst zu entwickeln. 20 Filme für 36,- EURO klingt zunächst nach einem Schnäppchen. Aber, sobald die Chemikalienbehälter geöffnet worden sind, reduziert sich die Haltbarkeitsdauer der Fotochemie auf drei Monate. 20 Filme in drei Monaten sind eine Menge Geld. Ach, und für den C41-Prozess hätte ich zudem noch einen geregelten Tauchsieder benötigt. Zuletzt wäre da auch noch das Entsorgungsproblem entstanden. Man kann die ganze Pampe schließlich auf keinen Fall in den Ausguss schütten, weil die Silberionen die Bakterien in der lokalen Wasseraufbereitungsanlage killen würden. Das Giftmobil kommt nur zwei Mal pro Jahr in mein Dorf. Digitalfotografen haben solche Sorgen nicht.
Und dann waren da noch die mittelmäßigen Bildergebnisse. Der zurückliegende Analoge Herbst hat nur wenige vorzeig- und anschaubare Fotografien hervorgebracht. Jedesmal habe ich mir gedacht, dass ich das digital viel besser hätte machen können. Die Ergebnisse waren einfach nicht konstant. Zu viele Variablen und Unbekannte machen die analoge Fotografie zu einem komplexen Unterfangen. Ich könnte mir das notwendige Können und Wissen sicher erarbeiten, aber dieser Lernprozess ist gleichermaßen zeitintensiv und langwierig wie die analoge Fotografie selbst.
Stand heute sind noch vier Filme in meinem Kühlschrank (1x CINESTILL 800T und 3x ProImage 100). Irgendwann im nächsten Jahr werde ich die belichten. Vielleicht probiere ich dann sogar die Entwicklung im billigen DM-Labor aus. Danach werde ich das Buch der analogen Fotografie jedoch ein für alle Mal schließen.
Durch Digitalkameras bin ich ein besserer Fotograf geworden, weil ich einfach mehr fotografieren konnte. Übung macht den Meister, und nicht etwa die analoge Enthaltsamkeit. Und wer unbedingt entschleunigen möchte, der legt einfach die Digitalkamera zur Seite.





























