Bergtour - Über die Hohen Gänge
Die kleine Schwester...
Im letzten Jahr hatte ich gerade den Hindelanger Klettersteig hinter mir und saß auf dem Großen Daumen, als ich mir sogleich wieder die Frage stellte, was man denn auf der anderen Seite anstellen könnte. Die Hohen Gänge gelten als so etwas wie die kleine Schwester des Hindelanger Klettersteigs.
Die Planung dieser Tour beginnt erst am Vorabend, als klar wird, dass das Wetter in den Bergen endlich stabiler wird. Nur zufällig entdecke ich, dass es sich teilweise um einen Klettersteig handelt, und packe schnell noch Gurt und Helm ein. Wie viel Wasser nimmt man da am besten mit? 2,5 Liter sollten ausreichen, oder.
Wo parkt man dann? Am Parkplatz "Säge" soll man sogar mit Karte bezahlen können. Das schon die eigene Münzsammlung.
Pustekuchen, der Parkscheinautomat kann keine Verbindung herstellen. Das Handy zeigt null Balken. Also doch sieben EURO in Münzen einwerfen. Das fängt ja gut an.
Zuerst muss man den Breitenberg zu einem Viertel umrunden. Man passiert dabei auch die Stelle, an der im September 1964 ein ca. 400m breiter Hangrutsch niedergegangen ist. Das muss ganz dolle gerumpelt haben.
Endlich, nach 30 Minuten, erscheint der Abzweig in den Wald und nach oben. Zum Glück verläuft der sehr steile Fahrweg im Wald, weil es die Sonne bereits über die umliegenden Berge geschafft hat. Die Bremsen sind dafür umso aufgeregter und machen auch vor dem Hosenstoff keinen Halt. Der Höhengewinn tut gut. Ich erreiche die Alpflächen der Älple Alpe. Mit zu viel Schatten ist jetzt leider Schluss. Dafür biete sich hier eine längere Rast an, um den eigenen Wasserspeicher und Flaschen wieder aufzufüllen. 20 Minuten Pause strapazieren meine Geduld dennoch.
Noch 600 Hm bis zum Gipfel des Breitenbergs. Die Sonne knallt unerbittlich von einem wolkenlosen Himmel herunter. Ich rechne schon jetzt im Kopf aus, wann ich wo, wie viel trinken werde, weil mit 2,5 l Wasser plötzlich arg wenig erscheinen.
Der Schlussspurt zum ersten Gipfel des Tages artet in Stop-and-Go aus. Mir ist es jetzt schon viel zu warm, und das bereits um halb elf Uhr!
Erst auf dem Südgipfel des Breitenbergs lege ich Gurt und Helm an. Einhängen werde ich mich heute trotzdem fast gar nicht. Der Klettersteig ist längst nicht so anspruchsvoll wie der große Bruder "Hindelanger". Lediglich eine Stelle empfand ich als anspruchsvoll, als man über glatte Platten leicht absteigen musste, um dann relativ unangenehm in die Westflanke zu queren. Da ist eine Trittstufe, die man von oben überhaupt nicht einsehen kann. Der linke Fuß tastet ins Leere.
Der Rest ist eher unspektakulär, zumindest bei trocken Wetter. Auch die eine Leiter in den Hohen Gängen wird völlig überbewertet. Lediglich an ihrem oberen Ende benutze ich zum ersten und einzigen Male die Sicherung, damit ich beim Fotografieren nicht umfalle.
Die Sonne wird immer schlimmer und unter dem Helm staut sich die Hitze. Als ich fast den Gipfel der Heubatspitze erreicht habe, plagt mich dann auch noch ein Krampf im linken Oberschenkel. Ich habe jetzt noch 1,5 Liter Wasser und bald nur noch die Hälfte davon. Der Rest ist für die Rotspitze.
Auf der Heubat treffe ich einige jüngere Bergsteiger mit arg kleinem Rucksack. Ob die alle kein Wasser brauchen? Oder bin ich wirklich schon so fett?
Der Übergang zur Rotspitze ist leichter dahingesagt als im fortwährenden Auf- und Ab bewältigt. Die 26 Hm sind mit insgesamt weiteren 100 Hm zu erkaufen. Das ist sehr wenig Netto vom Brutto. Trotzdem, die Rotspitze lohnt sich, nicht zuletzt weil man von dort die gesamten Hohen Gänge überblicken kann. Ein Schluck Wasserreserve muss von nun an bis schlimmstenfalls zum Parkplatz ausreichen.
Der Abstieg ist kein schneller Lauf. Es gibt noch einmal mehrere Drahtseil versicherte Stellen zu bewältigen bis man endlich in den schier endlos erscheinenden Serpentinenhang einschwenken kann. Ich bin mittlerweile unkonzentriert und rutsche sehr oft auf dem losen Untergrund. Das kostet Kraft und Nerven.
Dann jedoch ein Lichtblick: Nahe der Unterstandshütte 'Im unteren Platz' befindet sich eine Quelle mit Trog. Zumindest wird fehlendes Wasser für den Rest dieser heißen Wanderung kein Problem darstellen. Trotzdem ist dieser Rest kein Spaß. Langwierige Serpentinen, ein langer Schotterpfad und wenig Schatten sind zu keiner Zeit, und ganz besonders heute nicht, ein Spaß. Am Parkplatz herrschen mittlerweile 31°C.
Eine kleine Manöverkritik
Sicher ist meine Kondition derzeit eher durchschnittlich. Langes Flachlandwandern und ein schweinemäßig nerviger Job sind auch keine guten Voraus-setzungen dafür. Dennoch hätte ich beim Wetterbericht genauer auf die Temperaturen schauen sollen. Ich bin schließlich nicht mehr der Jüngste und bei hohen Temperaturen war ich noch nie gut. Wenn in 2.000 m Höhe 20 °C und mehr erreicht werden, dann sollte ich zukünftig lieber auf eine Bergtour verzichten. Vielleicht gehe ich dann lieber an den See oder in die Eisdiele.
Wäre mehr Wasser eine Lösung gewesen. Nun mehr Wasser muss auch getragen werden und dann schwitzt man mehr!



































