Die Vermessung von JPEG-Rezepten

Sehen ist nicht nur ein Gefühl!

Wenn man JPEG-Rezepte objektiv miteinander vergleichen möchte, dann gibt es keine Alternative zur Messung. Ich frage mich schon länger, wie man die früher für Film üblichen Gradationskurven auch aus Digitalfotos gewinnen kann. Schlussendlich könnte das zu einer Möglichkeit werden, JPEG-Rezepte in umgekehrter Weise aus den Gradationskurven von analogem Film zu synthetisieren.

Kamera:

Objektiv(e):


Filmsimulation:

Film:


sonstige Ausrüstung:

FUJIFILM X-T3

TAMRON 17-70mm/2.8


Kodak ProImage

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Stativ, Farbtesttafel, Leuchtpult (5000K)


Die Farbtesttafel ist mit einer Lichtquelle von konstanter Farbtemperatur zu bleuchten. FÜr diese Aufgabe verwende ich mein Kaiser-Leuchtpult, das laut Datenblatt über eine Farbtemperatur von 5000K verfügt. Für Tageslicht-Rezepte genau richtig.


Der Versuch sollte in Dunkelheit durchgeführt werden, da Licht von künstlichen Lichtquellen oder Tageslicht das Ergebnis verfälschen könnten.


Bei meinem Aufbau ist bereits ungünstig, dass Licht von der Holztischplatte reflektiert wird und so ebefalls auf die Testtafel gelangt. Das Abdecken mit Fotokarton oder dunklem Stoff hätte dazu bereits ausgereicht.


Erste Aufgabe ist es nun, mit Hilfe der Graukarte und Spotmessung die Referenzbelichtung zu ermitteln. Dazu schließt man die Blende auf 8 oder 11, um den Einfluss von Vignettierung auf das spätere Messergebnis zu reduzieren. Diese Einstellung von Blende, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit sollte man sich abspeichern.

Anschließend nimmt man die "bunte" Seite der Testtafel, auf mehreren Bildern mit -4EV bis +4EV um die zuvor ermittelte Referenzbelichtungszeit herum, auf.

Mit Hilfe der Farbwertanzeige von Capture One konnten nun die RGB-Werte der roten, grünen und blauen Felder von insgesamt 9 Fotos ermittelt und dann manuell in eine Tabelle übertragen werden.


Als Ergebnis erhält man eine einfache RGB-Gradationskurve, die den allgemeinen Charakter des ProImage-Rezeptes bereits gut beschreibt.


Das ProImage-Rezept weist die Tendenz auf, einen Magenta-Schimmer in die Motive einzufügen, und das insbesondere in den Lichtern. Die rote Kurve liegt über der blauen!

Der Himmel von ProImage-JPEG ist meist tiefblau. Das trifft nicht ganz meinen Geschmack. Während der Nachbearbeitung rücke ich Blau oft in Richtung Cyan, um die offensichtliche Abflachung der grünen Gradationskurve zu kompen-sieren.

Das funktioniert schon mal! Das Konzept ist damit bestätigt. Wie geht es nun weiter?


1. Der Versuchsaufbau ist zunächst zu stabilisieren. Der freifliegende Aufbau auf dem Tisch sollte dazu in einen großen Karton wandern. Diese Testbox wird innen schwarz angemalt und die Lichtquelle fest integriert.


2. Eine Lichtquelle mit einstellbarer Farbtemperatur wäre ein angenehmer Luxus.


3. Die Auswertung der Testaufnahmen könnte automatisiert erfolgen. Ein funktionsfähiger Entwurf dazu besteht bereits (unten).

Zing • 31. Januar 2026