Ein Fotoausflug an die Grenze zwischen Oberbayern und Schwaben
Zwei Schlösser, ein Schatztaucher, die Spargelhauptstadt und die Burg Wittelsbach
Um eine Bergtour an diesem ersten sonnigen Sonntag seit Wochen zu unternehmen, zwickte es zu sehr im Knie, der Hüfte und überhaupt auf in der gesamten linken Körperhälfte. Ein Ausflug mit dem Auto ist angesagt und nur wenig Bewegung. Die Zile in der näheren Umgebung sind schnell ausgemacht. Das Sissi-Schloss bei Unterwittelsbach ist immer einen Besuch wert. Schrobenhausen hat eine nette Altstadt. Und was ist eigentlich dieses Wasserschloss Sandizell?
Vorbemerkung
Weniger ist mehr. Drei Kameras müssen genügen und die 'Dicke Bertha' bleibt heute mal Daheim. Den Mai hatte ich irgendwann zum Monat des quadratischen Bildformats erkoren. Das funktioniert grundsätzlich ganz gut. Beim ersten Versuch mit dem Shift-Objektiv bekommt der große Plan ein Loch. Das Shift-Objektiv darf heute also die Seitenverhältnisse 3:2 oder auch 2:3 bedienen.
Sandizell
Gar nicht so leicht zu finden, dieses Wasserschloss Sandizell. Google schickt die Besucher am Hinweisschild vorbei zum verschlossenen Hintereingang. Das Schloss und der Schlosspark bleiben uns Normalsterblichen verschlossen: Privatbesitz.
Immerhin lassen sich Hausfront, Auffahrt und Marstall fotografisch erschließen. Für das Shift-Objektiv habe ich keinen Polfilter dabei, weil ich mir das bei diesem extremen Weitwinkel nicht zutraue. Das ist leider eine Fehleinschätzung. Ohne Polfilter werden die Farben flau und blau. Durch Nachbearbeitung wird sich das nicht vollständig beseitigen lassen. Die Architekturfotografie werde ich an diesem Ort also nochmals nachholen müssen, bei anderem Licht, weniger Bewuchs und dann mit Polfilter.
Ich wandere noch um die Schlossmauern herum. Ein Schnappschuss des sich windenden Gemäuers wird zufällig zum Fang des Tages, der in die Galerie wandert.
Ein letztes Bild kommt nicht zustande, weil sich eine dicke Quellwolke vor die Sonne schiebt. Als ich am Auto ankomme, scheint die Sonne wieder und ich eile im Laufschritt zurück zum Fotospot.
Ein Anwohner eilt hinzu und fragt mich aus. Erst als er sich sicher sein kann, dass ich kein Attentat plane und auch keine Bilder aus dem geheimen Leben des Wasserschlosses verkaufe, kommen wir ins Gespräch. Da erfahre ich auch die "schmutzigen" Geheimnisse dieses schönen Ortes, von den beiden Familien die das Schloss heute bewohnen und, dass einer der Besitzer kein geringerer ist als Nikolaus Graf von und zu Sandizell! Wie, ihr kennt den berühmten Schatztaucher Niki nicht? Los, ab und googeln! Außer ihr wollt nach Sandizell anreisen... Dann sind Schilder doch zuverlässiger.
Schrobenhausen
In Schrobenhausen kommt die NIKON zum Einsatz, weil ich unbedingt etwas ausprobieren muss. Es gibt nämlich endlich einen vielversprechenden Entwurf für ein NIKON-FUJI PRO 400H-Rezept.
Anfangs ist das Licht noch gut. Die Sonne scheint seitlich unter eine dichte Wolkendecke. Die ersten drei Fotos mit der NIKON belegen, dass das JPEG-Rezept auf dem richtigen weg ist. Vielleicht ist die Rotsättigung noch etwas zu hoch. Schade, dass sich die Sonne schon so schnell verzieht.
Ich beobachte eine Gruppe von Aquarellmalern dabei, wie sie einen der Türme in der Stadtmauer auf dem Papier bannen. Ich beneide sie schon ein wenig. Der Himmel ist grau, auf ihren Bildern scheint jedoch eine gelbe Sonne aus dem tiefen Blau. Das störende Verkehrsschild taucht in keinem der Kunstwerke auf. Wenn man als Fotograf genau dasselbe tun würde, also den Himmel ersetzen oder ein Schild mit AI retuschieren, dann würden sofort alle "Betrug" schreien.
Einen Abstecher in die Stadt unternehme ich noch und vollende auch die Umrundung der Stadtmauer. Fotografisch wird das heute jedoch nicht mehr viel. Ohne das richtige Licht funktioniert es einfach nicht.
Beim nächsten Mal sollte übrigens dann auch ein Teleobjektiv dabei sein, denn die Schrobenhausener geben Störchen gerne ein Zuhause.
Unter- und Oberwittelsbach
Auf der B300 geht es in Richtung Süden. Dass dabei die Grenze zwischen den Regierungsbezirken Oberbayern und Schwaben überschritten wird, bemerkt man zu keiner Zeit. Es geht endlich der Sonne entgegen!
Es geht der Sonne entgegen bis genau zu dem Moment, als ich die Kamera auf das Sissi-Schloss richte. Mist! Riesen Mist! Für all die flauen Farben tut's nun auch der Schwarzweißfilm, mein Michael!
Vielleicht wird es ja noch besser, wenn man etwas abwartet. Die Wartezeit verkürze ich mir mit der kurzen Wanderung zur Kirche auf dem ehemaligen Burghügel der Wittelsbacher nahe Oberwittelsbach. Manchmal könnte man zur Regenjacke greifen wollen.
Die Kirche macht es mir wieder sehr schwer. Es gibt kaum einen freien Blick auf das gesamte Gebäude. Detailaufnahmen retten die fotografische Mission. Manchmal muss man auch versuchen zu fotografieren, was man nicht von einem Bauwerk sehen kann...
Als ich wieder Unterwittelsbach erreiche, haben die Wolken ein Erbarmen mitt mir und lassen die Sonne noch einmal zum Vorschein kommen. Der Standpunkt am Schlossgraben ist gut, aber nicht gut genug. Ein gelungener signature shot des Sissi-Schlosses fehlt also weiterhin.
Mit dem Auto sind es ja nur 30 Minuten hierher...






























































