Ein ganzer Sonntag in Oslo
Auf mich allein gestellt
So, den Tag habe ich für mich ganz allein. Keine Verabredung, kein Zeitplan, kein Stress! Auf der Straße vorm Hotel ist so gar nichts los und auch beim Frühstück bin ich heute der erste. Der frühe Vogel fängt den Wurm und den frühen Vogel frisst die Katz?!
Auf dem Weg zum Vigelandsparken
Was heute geschieht, hängt stark davon ab, wie das Wetter morgen wird. Morgen wird es grau und nass, heute nur grau und trocken. Also auf nach Draußen und ab zum Friluftsliv!
Aber nicht so schnell. Die wichtigste Frage ist doch die, mit welchem JPEG-Rezept ich heute in diesen grauen Tag starten werde. Gestern waren Vinterkino oder Fuji Pro 400H nun leider die völlig falsche Wahl. Völlig falsch ist allein schon der Umstand, an einem Tag zwei verschiedene JPEG-Rezepte zu verwenden und häufig zwischen diesen zu wechseln. So entsteht kein consistent body of work.
Beim letzten Blick durchs Hotelzimmer entscheide ich mich spontan für KODAK PORTRA AWB. Als Beleg dafür fotografiere ich gleich das Fenster. Warum werden eigentlich solche profanen Motive immer zu außergewöhnlichen Motiven?
Vigelandsparken
Der Tipp kam von einem Kollegen. Ich weiß nicht, was mich so recht erwartet. Bildhauerei ist ja nicht gerade mein Steckenpferd. Dann bin ich aber doch begeistert.
Die gezeigten Motive sind sehr freizügig, gerade wenn man bedenkt, dass Gustav Vigeland von 1869 - 1943 gelebt und gewirkt hat. Einige Motive erscheinen sogar befremdlich und gewalttätig. In anderen Figuren erkenne ich Bekannte und weniger bekannte Bekannte wieder.
Um sich in Portraitfotografie zu üben, ist das hier gar nicht einmal so schlecht. Die Models wissen wenigstens nicht alles besser als der Fotograf und halten auch immer die Klappe.
Das Highlight ist jedoch die Gruppe Sportlerinnen, die sich im Fugurenpark zum Sonntags-Yoga trifft...
Weiter nach Bygdøy
Bygdøy ist nicht irgendeine Halbinsel, sondern die Halbinsel im nördlichsten Fjordbogen. Hier gibt es allerhand Museen, die ich heute natürlich nicht betrete, und im Sommer soll es hier sehr angenehm sein.
Wir haben nun jedoch noch nicht einmal richtigen Frühling. Auf Schneeresten tummeln sich noch die letzten eisernen Langläufer. Auch den erhofften Ausblick auf Oslo kann ich nicht finden. Ach, und der Holmenkollen ist auch schon wieder in den Wolken untergetaucht.
So richtig glücklich werde ich hier und heute nicht. Ich laufe noch ein wenig zwischen den schmucken Häuschen hindurch zur nächsten Busstation, um irgendwie nach Aker Brygge zu gelangen. Vielleicht fahre ich nämlich mal zur Abwechslung mit der Fähre übers Wasser...
Reif für die Insel - Hovedøya
Nun muss ich doch ein Museum betreten. Es ist ein Notfall. Am Fährhafen gibt es keine öffentlichen Toiletten.
Die Überfahrt nach Hovedøya ist schnell erledigt. Die gegenüber im Osten liegende Landzunge verspricht den besten Ausblick auf Christiana Oslo. Dazu muss man um eine ausgedehnte Bucht mit großem Yachthafen herumwandern.
Der Weg wird immer schmaler und ohne GPS fühle ich mich mittlerweile unsicher. Ob das noch der richtige Weg ist? Doch da tut sich dann nach einigem Morast an den Schuhen eine Lichtung auf. Man muss etwas absteigen (T2), um die Stadt vor lauter Bäumen sehen zu können. Es lohnt sich jedoch.
Eine Rückfahrtmöglichkeit lasse ich noch sausen. Auf Hovedøya gibt es viel zu sehen. Das Kreuz und Quer der Boote und Fähren im Oslofjord ist hübsch anzuschauen. Die Gänse stehen in der Schlange für ein Portrait.
Und auf der Rückfahrt nach Aker Brygge kommt sogar die Sonne raus!
Akershus festning,
Der Besuch lohnt sich, selbst wenn man nicht so ein alter Militarist ist. Die verwinkelte Festung drängt sich der Kamera geradezu auf. An anderen Stellen bietet sich ein netter Ausblick über die Stadt, den Hafen und den Oslo Fjord. Die erhöhte Lage ist definitiv einen Besuch wert.
Warum nur laufen mir die Deppen-Touristen immer mitten vor die Kamera. Heute fallen mir die Asiaten mit Selfiestick und so dumme Deutsche besonders negativ auf. Kreuzfahrtpublikum aus Gelsenkirchen bleibt einfach Ruhrpott.
Der Wind aus Süden frischt spürbar auf. Mit der Rechte-Hand-Regel überprüfe ich das kurz und bin mir sicher, dass sich damit das bevorstehende Tief und der Regen ankündigen.
Müde und zufrieden trete ich den Weg von Akershus zurück zum Hotel in Uranienborg an, vorbei an Stortinget, Nationaltheater und königlichem Schloss.
Heute wird danach nicht mehr fotografiert.











































































































