Ein letzter Tag in Oslo

Einen Regentag verbringt man lieber drinnen.

Das Wetter hält, was die Vorhersage prophezeit hat. Es schüttet in Strömen an diesem Montag. Anders als in anderen Hauptstädten haben in Oslo viele Museen auch am Montag geöffnet! Meine Auswahl steht natürlich in einer engen Beziehung zu meinen persönlichen Vorlieben: Kunst und Polarforschung.

geografische Einordnung:


erreichte Gipfel:

weitere Wegepunkte:

Talort(e):


Schwierigkeiten:

Höhendifferenz Aufstieg/Abstieg:

Distanz:


Zeitbedarf inkl. Pausen:

Norwegen, Hauptstadt


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Frammuseet, Kon-Tiki Museet, Munch Museet

Oslo


Wandern: T1       Klettern UIAA: -/-        Klettersteig: -/-         Schneeschuhe: -/-

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Auf dem Weg nach Bygdøy


Ich erlebe Oslo an diesem Morgen im dichten Berufverkehr. Allerdings fällt mir die Ruhe und Gelassenheit der Nordfrauen und -mäner prositiv auf. Aber warum sollten sie sich auch beschweren, wenn der ÖPNV hier reibungslos und pünktlich läuft?


Es schüttet in Strömen. Ja, das habe ich schon geschrieben, aber habe ich auch schon darauf hingewiesen, dass Regenschirme unter Norwegern scheinbar verpönt sind? Der einzige mit Schirm bin ich, wahrscheinlich weil ich nicht wasserdicht bin.


Zunächst muss ich mein Reisgepäck bis zum Nachmittag loswerden. Ein Bahnhofsschließfach scheint hat eine ganz nützliche Einrichtung für solche Zwecke zu sein. Hätte ich bloß vorher gewusst, dass in jedem Museum kostenlose Schließfächer gibt, denn dann hätte ich mir die umgerechnet 21,- € für sechs Stunden sparen können. Das entspricht immerhin dem Gegenwert von drei norwegischen Bic Mac!

Auf den Spuren von Nansen, Sverdrup und Amundsen


Drei Reisen stehen im Logbuch der Fram (dt. Vorwärts): Nansens Nordpol-expedition, Sverdrups Fahrt in die kanadische Arktis und Amundsens erfolgreiche Südpolexpedition.


Der Rumpf ist ziemlich rund und bauchig. Vermutlich ist diese Form günstig im Packeis. Das Eis kann unter den Rumpf "rutschen", wodurch die Flanken entlastet werden. Allerdings könnte diese Rumpfform bei schneller Fahrt nicht ganz so stabil reagieren. Muss ich mal was drüber lesen...


Auch die Sache mit der Windkraft zur Erzeugung von Strom und Licht(!) war neu für mich. Clever, dieser Amundsen. Auf dem ganzen Schiff gibt es kein unnützes Zeug oder ungenutzten Platz.

Was ich mir jedoch kaum vorstellen mag, ist in dieser schaukelnden Nussschale den spärlichen Platz mit stinkenden Schlittenhunden teilen zu müssen, auch wenn man die im Notfall dann später essen kann...

Gjøa und Schiffe in der Luft


Eine weitere Halle des Frammuseet widmet sich der Eroberung der Arktis aus der Luft. Amundsen hatte schließlich zusammen mit dem Italiener Umberto Nobile im Luftschiff Norge als Erster die Arktis überquert.


Das Erreichen des Nordpols mit zwei Dornier Flugbooten Wal ist Amundsen und seinen Männer hingegen nicht gelungen. 255 km vor dem Ziel sind sie im Eis gestrandet. Das waren aber allesamt harte Hunde, die mit kaum Essen eine Startbahn aus dem zerklüfteten Eis geschnitzt haben, um sich aus dieser nahzu ausweglosen Situation zu retten.

Amundsen gilt als verschollen, nachdem er 1928 mit einem weiteren Flugboot zu einer Rettungsmission für Umberto Nobile aufgebrochen war. 1955 wird die Norwestdeutsche Rundschau behaupten auf einen in Alaska bei den Inuit lebenden Jäger gestoßen zu sein, der angab Amundsen zu heißen...


Ach, und dann ist da noch die kleine Gjøa (ausgesprochen Jöh-ah), mit der Amundsen die NW-Passage als Erster erfolgreich durchquert hat.

Thor Heyerdahl - eine andere Art von Forschungsreisendem


Via-á-vis zum Frammuseet ist das Kon-Tiki Museet nur wenige Meter entfernt. Als Jugendlicher habe ich Hayerdahls Abenteuerberichte verschlungen. Zu kühn war die Idee, mit einem Floss über den Pazifik zu segeln, um zu zeigen, dass Polynesien von Südamerika aus besiedelt worden sein könnte.


Die erfolgreiche Überquerung des Atlantik von Ost nach West mit der Ra gelang hingegen nicht. Das Papyrusboot ist einfach auseinandergefallen, und das 550 km vor dem Ziel. Erst mit der verbesserten Ra II gelang dann die Überfahrt von Marokko nach Barbados. Und was beweist das nun? Nicht mehr und nicht weniger als die Tatsache, dass es möglich gewesen wäre Südamerika mit den Mitteln der alten Ägypter von Afrika aus zu erreichen. Ich persönlich glaube ja, dass das nicht stimmt und die Goa'uld tatsächlich die Erde zu dieser Zeit beherrscht haben...


Warme Gewässer taugen mir nicht. Ich muss wieder raus in den kalten Regen!

Das Munch Museet


Wenn man Bygdøy verlässt und dann vor dem Munch Museum steht, könnte der Kontrast kaum extremer sein. Dort die ländliche Architektur und hier der urbane Koloss, der sich mit den höchsten Stockwerken mutig hinauslehnt.


Selbst wenn man sich nicht für Kunst interessiert, lohnt es sich eine Blick ins Munch Museum zu werfen. Kühne Rolltreppen überwinden mutig hohe Stockwerke und erlauben atemberaubende Tiefblicke.


Von ganz oben hat man eine hervorragende Aussicht auf die Stadt. Der Unterschied zwischen Außen und Innen verschwimmt. Hoppersches, unsichtbares Glas verleiht dem Besucher das Gefühl in direktem Kontakt mit der Außenwelt zu stehen und doch von ihr getrennt zu sein.


Sitzecken und die Menschen, die dort Platz nehmen, verleihen leerem Raum Leben. Das Innere des Gebäudes funktioniert nicht zuletzt wgen des üppig genutzten negative space.

Munch


Man könnte es auch das Schrei-Museum nennen. Auf wenigen Quadratmetern drängen sich 90% der Besucher, um nacheinander im steten Wechsel alle 30 Minuten eine der insgesamt drei Ausführungen dieses bekanntesten Munch Bildes zu beglotzen.

Geht man in ein Museum, um die Bilder eines Künstlers zu betrachten, oder geht man in ein Museum, um sich mit dem Bild eines Künstlers auf einem Selfie abzulichten?


Forlater Oslo


Leider muss ich Oslo schon verlassen. Oslo ist vielleicht nicht die schönste Stadt in Skandinavien, aber sie verfügt über sehr sympathische Bewohner.


Möglich, dass mir 'jeg snakken litt norsk' etwas dabei geholfen hat, mich hier gleich wohl und zuhause zu fühlen. Den größten Beitrag haben jedoch sicher die Norweger geleistet, denen es irgendwie immer gelingt, gleichzeitig weltoffen und zurückhaltend, höflich und direkt oder leise und lustig zu sein.


Der Besuch in Oslo macht Lust auf noch mehr Norwegen, nur lieber im Sommer als im Winter. Wer weiß schon, was nur drei Stunden Sonne an einem Wintertag aus mir machen würden, wenn es dann auch noch regnet oder schneit?


Farvel Norge!

Zing • 16. März 2026