Frühjahrstour - Ditzl
Besser spät als nie!
Der Bauch in meinem Spiegelbild sagt: "Du musst mal wieder auf einen Bergsteigen!" Einfacher gesagt als getan. Wieder zerbreche ich mir tagelang den Kopf, wohin ich könnte und wo ich vielleicht noch nicht war. Der Iran-Krieg hat auch seine guten Seiten. Eine Fahrt zum Tanken nach Österreich lohnt immer.
Zwei Richtungen bieten sich an, entweder nach Kufstein oder nach Reutte. Hatte ich in Reutte nicht noch eine Rechnung offen? Ach ja, die Ditzl!
Schneeschuhe werde ich dafür wohl keine mehr benötigen. Merkwürdig, die haben es in diesem Winter kaum weiter als in die Wohnung geschafft. War wohl kein richtiger Winter...
Es klapp alles besser, wenn das Wetter schön ist. Gegenüber meiner Dorftankstelle spare ich glatte 25 Cent pro Liter. Da können Merz und Klingbeil ihre 17,- Cent gerne behalten, oder den Mineralölkonzernen schenken.
Und auch mit der Bergwanderung auf die Ditzl klappt es besser als gedacht. Die markierten Abschneider durch den Wald ersparen die Forststraße und ermöglichen einen schnellen Höhengewinn. Ruppiger wird es erst, als der Lainbach gequert werden muss. Der dort befindliche Schneerutsch verfügt zwar über eine gute Trittfestigkeit - nicht zu matschig und nicht zu fest -, jedoch stellt sich die Frage, ob die Schneebrücke über den Bach auch noch in den ersten Sonnenstrahlen hält. Gut, das tut sie. In ein paar Tagen wird das schon ganz anders aussehen.
Überall schmilzt nun der Schnee dahin. Der Weg wird nasser, matschiger und rutschiger. Steil und etwas anstrengend geht es weiter nach oben, bis der Blick auf die weite Almfläche und die darüber stehende Ditzl frei wird. Die letzten 200 Höhenmeter könnten doch noch anstrengend werden. Entweder ist der Schnee gerade getaut und hat das nasse, plattgedrückte Gras zurückgelassen oder aber Schnee reicht noch bis an die Waden. Ich entschließe mich den Schlenker über die Lechaschauer Alpe auszulassen, um so die größten Schneeflächen zu umgehen. Unter dem argwöhnischen Blick der Gämsen wackele ich von Schneefleck zu Schneefleck und steige durch die weichen Grashänge dem Hochjoch entgegen. Nur eine Stelle erweist sich als hartnäckig und verlangt nach etwas bergsteigerischem Können. Und jetzt nur noch 63 Hm zum Gipfelchen...
Puh, das war nochmal anstrengend, gerade weil ich auch nicht so gut im Training stehe. Es lohnt sich. Die Aussicht auf Köllenspitze, Gimpel und die Gehrenspitze ist die Mühe wert.
Mit Mühe geht es dann auch bald wieder hinab. Auf der Südseite liegt mehr Schnee als gedacht. Die Lechaschauer Alpe ist ein echtes Schneeloch. Nur die Spuren eines Menschen und eines Hundes ersparen die umständliche Wegsuche. Der Schnee reicht auf dieser Seite des Berges weiter hinunter als beim Aufstieg. Erst ab ca. 1.400 m Höhe ist auch der Waldweg schneefrei.
Erst gegen Mittag treffe ich auf (laute) Menschen. Die Sirenen heulen. Es ist an der Zeit Heim zu fahren.
Nicht die beste Bergwanderung ever, aber irgendwo muss man ja nach langer Pause wieder anfangen, und dafür war es gut genug.
























