Mein (vorerst) letzter Tag auf Bornholm
Von einem schwarzen Tal und Abraumhalden
Wer die Wahl hat, hat die Qual. Ich suche nach etwas, dass ich heute noch unternehmen könnte, bevor ich im Apartment klar Schiff machen muss. Aber da gibt es immer noch so vieles, das ich noch nicht kenne und das die Auswahl schwer macht. Die Unternehmung muss dazu auch noch sämtliche Anforderungen gleichzeitig erfüllen: Wandern, Meer, Fotografie und ausreichend körperliche Betätigung. Erst beim zweiten Kaffee entsteht ein Plan.
Wanderung durch das Svartingedalen
Auf Bornholm hat die letzte große Eiszeit viele Spuren hinterlassen. Eine davon ist das Svartingedalen (~geschwärztes Tal), ein typischer, von Eis geformter Ausschnitt aus dem Granitsockel der Insel. Gleich vom Parkplatz aus geht es über einen steilen Weg hinab ins Tal und dort ist es wirklich duster. Zu beiden Seiten ragen die Wände ca. 4...5 Meter in die Höhe. Man spürt fast das erdgeschichtliche Alter dieser Ortes.
Ein weiteres Relikt der Eiszeit ist der Jættebolden, ein Findling am westlichen Rand des Trogtals. Beim Abstieg von dort zurück in den Talboden wird sogar kurz der Schwierigkeitsgrad T3 erreicht. Seile geben im steilen und rutschigen Gelände halt.
Das Svartigedalen soll auch bei Vogelbeobachtern sehr beliebt sein. Ich entdecke leider nichts diesbezügliches. Lediglich eine Herde Schafe verstellt mir den Weg und ich treffe nur eine einzige, aus vier Personen bestehende, Wandergruppe. (Was soll man nur von Leuten halten, die mit FFP2-Maske wandern?)
Die Kultippen und der Rubinsø
Wer hätte gedacht, dass auf Bornholm sogar Kohle abgebaut wurde? Die Kultippen sind spektakuläre Zeugen dieser einstigen Bergbaugeschichte. Der gesamte Abraum wurde einfach in eine kleine Bucht gekippt und formt heute dort eine bizarre Mondlandschaft. Eigentlich muss man sich wundern, dass sich das Meer nicht schon längst das Land zurückgeholt hat.
Der Rubinsø hat selbst nichts mit Edelsteinen zu tun. Der Rubinsø ist nichts mehr oder weniger als eine mit Wasser vollgelaufene Braunkohletagebaugrube. Ein unerschrockener Däne wartet, bis ich mein Foto habe, und springt dann in die kühle Grube. Mein Fingertest verrät mir, dass die Wassertemperatur sehr kurz ist.
Auf dem Rückweg wäre ich dann fast noch einer riesigen Kreuzspinne ins Netz gegangen...
Ein Abschiedsrundgang und ein letzter Sonnenuntergang
Nachdem das Apartment nun fast sauberer ist, als ich es bei meiner Ankunft vorgefunden habe, mache ich noch einen letzten Rundgang über den Hammer. Auch wenn ich das alles kenne, so ist es mir doch in jedem Moment auch neu. Ich will noch so viel Bornholm wie möglich in mich aufsaugen, damit ich davon Kraft schöpfen kann, wenn ich wieder Zuhause bin. Ich weiß noch nicht, wie bald ich schon zurückkehre. Ich könnte z.B. auch etwas anderes ausprobieren. Außerdem habe ich während dieser Ferien auf Bornholm eine Entscheidung getroffen, die mein Leben verändern wird. Das hat jetzt Vorrang.
Wer weiß, vielleicht ziehe ich eines Tages sogar für immer in das kleine gelbe Haus ein und werde diesen Spaziergang zum Hammeren fyr täglich absolvieren.



































































































































