Müritz - Die Fünf-Seen-Rundfahrt

Tiefhängende Wolken und stürmisches Regenwasser

Die Beine sind noch müde. Deshalb habe ich heute keine Lust zu laufen, auch nicht übers Wasser. Ich lasse mich auf das Abenteuer einer Fünf-Seen-Rundfahrt mit der Weißen Flotte ein. Die Fahrt führt von Waren an der Binnenmüritz durch den Reeckkanal in den Kölpinsee, danach in den Fleesensee und den Malchower See, um nach der Durchfahrt durch die Drehbrücke von Malchow im Petersdorfer See zu enden. Heute entstehen wieder einmal viel zu viel Fotos. Grund genug, den Tagebucheintrag nicht wie sonst üblich in chronologischer Reihenfolge zu verfassen ...

geografische Einordnung:


erreichte Gipfel:

weitere Wegepunkte:

Hafenort(e):


Schwierigkeiten:

Höhendifferenz Aufstieg/Abstieg:

Distanz:


Zeitbedarf inkl. Pausen:

Mecklenburg-Vorpommern - Mecklenburgische Seenplatte


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Waren (Müritz), Malchow


Wandern: T1      Klettern UIAA: -/-         Klettersteig: -/-         Schneeschuhe: -/-

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12h00m


Prolog


Die Uhren gehen hier anders und ich bin wieder einmal viel zu früh dran, obwohl es doch schon halbneun Uhr ist. Ich vertreibe mir die Zeit bis zum Ablegen mit Fotografieren.

Eine Sache fällt in Waren sofort lautstark auf. Es gibt hier viel Möwen, sehr viele sogar. Grund dafür ist, dass sich eine komfortable Mole direkt neben der Hafeneinfahrt befindet, die Schutz vor Räubern bietet und einen direkten Zugang zu den Fischbrötchen der Binnenmüritz bietet.


Ein Rotmilan kreist regelmäßig über dem östlichen Stadtgebiet. Als ich ihn anvisiere schaut er direkt in die Kamera ("Legen sie sich flach auf den Boden! Der Rotmilan wird sie i.a.R. nicht als Beute betrachten.").


Es wird Zeit, dass die Fahrt endlich losgeht...


Seefahrt


Man lernt so allerhand auf einer Bootsfahrt. Wer weiß schon, dass die Müritz kaum von der Elde gespeist wird und der ganze riesige See nichts anderes als eine Regenpfütze ist. Ja, die Müritz wird hauptsächlich von Regenwasser gespeist.

Die mit 31 m tiefste Stelle ist im Seitenarm der Binnenmüritz zu finden. Meist sind die Gewässer jedoch eher flach (~7m) und die Fahrrinnen meist sehr schmal.

Auf dem Kölpinsee herrscht heute Sturm. Ich und viel schlimmer noch die Kameras bekommen heute mehrere Duschen ab. Zum Glück ist Regenwasser weich. Segelboote hätten es bei diesem Gegenwind (4-5 Bft) heute sehr schwer.

Ein großer Pulk Boote kommt uns aus dem Malchower See entgegen. Warum nur? Später erfährt man, dass die Drehbrücke in Malchow nur immer zur vollen Stunde kurz öffnet. Blockaberfertigung, wer kennt das nicht!?


Malchow


Malchow ist eine Inselstadt. Wenn man es jedoch genau nimmt, dann befindet sich nur der Teil mit Damm und Drehbrücke auf einer Insel und der große Rest mit der Stadtkirche im Zentrum ist bestenfalls eine Halbinselstadt. Sehenswert ist Malchow dennoch.


Das Leben spielt sich hier am Wasser ab. Fast alles dreht sich um die Drehbrücke. Gleich daneben gibt es zahlreiche Eisdielen, Cafes und Restaurants, die kurz nach der vollen Stunde reißenden Absatz finden.


Der Hafen ist eher klein, weshalb ungeschickte Freizeitkapitäne auch sofort auffallen.


Kloster Malchow


Das ehemalige Magdalenerinnenloster wurde bereit 1298 gegründet. Die Klosterkirche stammt jedoch aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die neugotische Architektur entstand jedoch erst 1890 nach einer unfassenden Renovierung, die durch einen Brand erforderlich geworden war.


Die Kirche beherbergt heute das Mecklenburgische Orgelmuseum.


Das gesamte Umfeld der Malchower Klosterkirche lädt zu einer ausgiebigen Architektursession mit dem Shift-Objektiv ein. Unterbrochen wird der große Spaß dann jedoch von einem kapitalen Regenguss. Dabei lassen sich dan so große Bäume entdecken, dass man komplett trocken bleibt.


Und weil ich ungeduldig zu früh starte, werde ich dennoch nass ...


Drehbrücke Malchow


Die Konzepte Hängebrücke oder Hebebrücke waren mir bisher schon bekannt. Eine Drehbrücke ist selbst mir ein Novum.

Die gesamte Konstruktion erinnert mich an viele Elemente aus der technischen Mechanik. Das Drehlager ist verhälnismäßig klein und der Drehantrieb erfolgt über eine gebogene Zahnstange. Auch spannend, die Brückenlager auf der gegenüberliegenden Seite werden vom Ausleger mitgenommen und müssen hinterher jedes Mal wieder ausgefahren werden.


Das alles findet unter dem scharfen Blick des Brückenmeisters statt und wird von ihm gesteuert. So ganz vollautomatisch funktioniert das wohl doch nicht, wie es uns vom Dampfschifffahrtskapitän erklärt wurde.


Wolkenatlas


Viele würden die Schnute verziehen und behaupten, dass das Wetter heute schlecht sei. Es ist sehr wolkig und immer wieder fallen sturzbachartige Regenschauer.


Ich sehe das jedoch ein weing anders. Wie langweilig wäre das Fotografieren einer stillen und großen Wasserfläche unter einem eintönig blauen Himmel. Dann würden die Leute auch die Schnute verziehen, weil es wieder viel zu warm ist ...


Wenn Dir das Leben Zitronen schenkt, dann mach Zitronenlimonade daraus. Wenn Dir das Leben hingegen Regenwolken schenkt, dann mach halt einen Wolkenatlas daraus!


Ich mag die tief hängenden und schnell ziehenden Wolken des Nordens!


Epilog


Der Himmel über Waren wird immer dunkler und bald ist der letzte Sonnenstrahl verschwunden. Als ich das Boot im Hafen verlasse, muss ich nur wenige Meter zum Hotel gehen. Es beginnt bereits zu tröpfeln. Dann öffnet der Himmel alle Schleusen. Der Regen ist so dicht, dass man nicht einmal mehr den Hafen vom Zimmer aus überblicken kann.


Eine Stunde später zeigt ein Regenbogen an, dass auf jeden Regen immer wieder Sonnenschein folgt. Alles wird gut!


Zing • 13. Juni 2026