Jahresrückblick 2025 und Ausblick auf 2026 - Die Perspektive des Himmelsbeobachters
Oft ist es nur eine Einstellungssache!
Hatte ich im Vorjahr noch damit gehadert, dass kein einziges Deepsky-Foto entstanden war, so kann ich doch in diesem Jahr 2025 feststellen, das man gar kein Foto machen muss, um Freude an der Astronomie zu haben.
Visuelle Beobachtung
In der von FOMO geprägten Welt der sozialen Medien glauben die meisten Menschen scheinbar, dass nur wahr ist, was mit einem Foto belegt werden kann. Wer also über ein ausgeprägtes Mindestmaß an Geltungsbedürfnis verfügt, der kann Astronomie nur als Astrofotograf erleben.
Das erste Quartal 25 war erneut von beruflichem "Hühnertanz" geprägt (und es wird immer schlimmer). Wenn man dann abends nach Hause kommt, packt man auch nicht mehr die Ausrüstung ins Auto und schlägt sich die Nacht um die Ohren. Einfach das Teleskop auf den Balkon oder in den Garten zu stellen geht jedoch immer. Die Latte, die der innere Schweinehund dafür auflegt, liegt nicht besonders hoch. Und so kommt es, dass der Beginn des Jahres von vielen kleineren Sessions der Planetenbeobachtung geprägt war. Hauptinstrument dafür war mein geliebter 5" MAKSUTOV, der nach einer Kollimation am Stern noch besser wurde. So konnte ich die Polkappen des Mars beobachten, das Spiel der Jupitermonde live verfolgen oder einfach nur Krater auf dem Mond zählen. Von all dem gibt es zwar kein einziges Foto, aber wahr ist es trotzdem. Ich muss niemandem Beweise für meine Freude am Hobby liefern...
Astrofotografie im Spätsommer mit ganz langer Brennweite
Das mit dem Sucher-Guiding am 8" Edge-HD wollte ich schon lange endlich auf die Reihe bringen. Ein erster Versuch scheitert jedoch an mangelnder Übung und den Unzulänglichkeiten eines solchen Aufbaus. Ein Teleskop mit 1.400 mm Brennweite lässt sich einfach nicht effizient mit nur 180 mm Nachführbrennweite on track halten. Es wäre so viel einfacher, wenn ich eine größere Nachführbrennweite nutzen könnte. Ein simples Zubehör, Rohrschellen auf einer Sucherschiene, brachte die Wendung. Der 60/420 FH konnte nun näher an der Stundenachse auf dem EHD800 aufgesattelt werden. Mit einer Nachführbrennweite von 840 mm (2-fach Barlow) war das Guiding viel leichter realisierbar und ein erstes, brauchbares Foto von M27 ist entstanden.
Dieses Setup schlummert seither fertig gepackt in den Transportkisten, um jederzeit zum Einsatz kommen zu können. Die Aufbauzeit konnte ich durch eine Änderung des Prozesses auf 35 Minuten reduzieren. Beim nächsten Mal muss ich nur noch darauf achten, dass helle Sterne bei einer Belichtungszeit der Einzelbilder von 45 Sekunden bereits "ausbrennen" können.
Ein mittelmäßiges Foto ist immer noch besser als gar kein Foto
Die totale Mondfinsternis vom 07. September 2025. Die Bedingungen waren alles andere als ideal. Ein undurchdringliche Dunstschicht am Horizont lässt kaum Aussicht auf Besserung zu. Dennoch lasse ich die Kamera mit dem 70-300 mm Telezoom noch auf dem Balkon stehen. Siehe da, nach einer Stunde sieht man etwas und ich fotografiere im 30 Sekundenrhythmus den Verlauf der restlichen Finsternis. Andere habe da schon längst aufgegeben und behaupten heute, dass die Bedingungen ohnehin nicht für das perfekte Foto getaugt hätten. Ich freue mich immerhin ein Foto von dem Ereignis zu haben, weil das immer noch besser ist als kein perfektes Bild zu haben.
Die Kometen Lemmon und SWAN versetzen die Amateurastronomen, und nicht nur die, im Oktober 25 in helle Aufregung. In unseren Breiten bleibt jedoch der goldene Oktober mit klaren Nächten in diesem Jahr aus. Nur einmal öffnet sich der Himmel für ca. eine Stunde. Ich fotografiere mit einer NIKON Z5 und einem alten MINOLTA MD 100mm/2.5. Die Kamera ruht auf einem Stativ und die Einzelbilder werden nur max. 3 Sekunden lang belichtet. Den Rest erledigt dann die Software Zuhause. Ja, die Summenbilder weisen ein deutliches Rauschen auf. Lieber habe ich jedoch ein verrauschtes Foto als gar kein perfektes Foto...
Eine Pleite und der Ausblick auf 2025
Mit kurzer Brennweite (200 mm) wollte ich unbedingt M45, die Plejaden eindrucksvoll ablichten. Um der oberbayerischen Dauernebeldecke zu entfliehen, mache ich mich auf den Weg zum Sudelfeldpass. In über 1.100 m über dem Meeresspiegel kann nichts schiefgehen, oder? Doch es kann. Ich stelle Montierung und Kamera auf. Die Stundenachse ist eingenordet und eine erste Testaufnahme wäre möglich. Doch da haben sich längst wie aus dem Nichts Cirren über mir gebildet. Nach einer Stunde ist die Teekanne leer und die Wolkenschicht noch dichter. In der Astronomie kann man nicht immer Glück haben, aber man sollte jede kleine Chance auf dieses wunderbare Hobby nutzen!
Was könnte ich im nächsten Jahr 2026 besser machen? Mir fällt nicht viel ein, außer vielleicht noch mehr auf die kleinen Gelegenheiten zu achten. Nutze jede Gelegenheit, um langbrennweitig die Messier-Objekte zu sammeln; das ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf! Nutze jede Gelegenheit, um auch mit einfacher Ausrüstung mindestens ein Bild vom Himmel zu gewinnen! Nutze jede Gelegenheit, um zum Himmel zu schauen, seines mit Feldstecher, Teleskop oder auch nur den bloßen Augen.
Eine Sache wird 2026 für mich dann doch noch zum Novum. Erstmals habe ich mir keinen Almanach angeschafft. Den guten 'Ahnert' gibt es schon lange nicht mehr. Das Kosmos Himmelsjahr ist kann kaum besser als moderne Planetariums-Software, außer vlt. dass es ohne Strom funktioniert. Auf kurzfristig auftauchende Kometen können solche gedruckten Jahrbücher ohnehin keinen Hinweis liefern.
Ich werde mir in PYTHON einen eigenen, immerwährenden, digitalen Almanach aufbauen. Der liefert mir dann z.B. Dämmerungszeiten für genau den Ort, an dem ich mich dann gerade befinde...






